Die SPD-Fraktion Heidelberg begleitet den Prozess bei der Formulierung des Berichts zur Sozialen Lage in Heidelberg mit einer Reihe von Besuchen bei verschiedenen Engagierten in Heidelberg. Die SPD-Stadträte Karl Emer, Andreas Grasser und Irmtraud Spinnler haben am 19.09.18 die Schuldnerberatung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes besucht.

Es ist die zweite Station nach dem Auftakt der Besuchsreihe am 31.8.18 beim Kinderschutzbund Heidelberg. Ralf Baumgarth, Regionalgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN, und die beiden Schuldnerberaterinnen Antje Maaß und Annett Heiß-Ritter haben im Gespräch allgemein über die Arbeit der Schuldnerberatung informiert und aktuelle Entwicklungen dargestellt. Besonders das Projekt „Schuldenfrei im Alter“ sowie absehbare Konsequenzen aus dem Bericht zur sozialen Lage und mögliche Handlungsempfehlungen nahmen großen Raum in dem Gespräch ein.

Das Projekt „Schuldenfrei im Alter“ sensibilisiert nicht nur die Öffentlichkeit zum Thema Altersarmut, sondern hilft auch derzeit 53 Menschen mit Beratung weiter. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen immer älter werden, die Stadt Heidelberg an Einwohnern zunimmt und bestimmte, aktuelle Arbeitsverhältnisse noch Folgen für die Altersversorgung haben werden, ist der Bedarf dieses Projektes nicht nur hoch, sondern möglicherweise steigend. Je weniger das Thema Schulden ein Tabu ist, desto eher trauen sich Menschen, Hilfe zu suchen, wo sie Hilfe in anstehenden oder laufenden Inkasso-Verfahren brauchen.

Karl Emer, Sprecher der SPD-Fraktion im Ausschuss für Soziales und Chancengleichheit, macht deutlich: „Im kommenden Bericht zur Sozialen Lage geht es nicht nur um eine Bestandsaufnahme der Sozialen Lage in Heidelberg, sondern auch darum, wachsam zu sein und frühzeitig zu erkennen, wo sich wandelnde Bedingungen und verschlechternde Tendenzen andeuten. Dafür bedarf es aufmerksamer Beobachtung. Wir begrüßen die Bereitschaft der Schuldnerberatung, mit statistischen, nicht personenbezogenen Daten einen Beitrag für ein Sozialraum-Monitoring in Heidelberg zu leisten. Die SPD-Fraktion begrüßt das Projekt des Paritätischen „Schuldenfrei im Alter“ und wird sich in den Haushaltsberatungen für das Jahr 2019/2020 für die Arbeit der Schuldnerberatungsstelle in der Schwetzinger Straße einsetzen. Das Angebot ergänzt die städtischen TATKRAFT-Kurse in den Seniorenzentren zum Thema „Gesundheit im Alter durch Betätigung“ auf sinnvolle Weise im Bereich Finanzen.“

Andreas Grasser, SPD-Stadtrat im Ausschuss für Soziales und Chancengleichheit, weist auf die Probleme für Menschen mit Schulden bei der Wohnungssuche hin: „Für Menschen mit einem negativen SCHUFA-Eintrag ist die Wohnungssuche unglaublich schwierig. Die Stadt Heidelberg muss sicherstellen, dass Menschen mit einem negativen SCHUFA-Eintrag nicht die Obdachlosigkeit droht, wenn sie sich ihre derzeitige Wohnung nicht mehr leisten können und sie zugleich gerade wegen des negativen SCHUFA-Eintrags auch keine günstigere Wohnung bekommen können.“

Irmtraud Spinnler, SPD-Stadträtin aus Kirchheim, betont: „Inkasso-Unternehmen helfen Gläubigern nicht nur bei der Begleichung ausstehender Schulden, sondern verdienen daran selbst mit. Dies zieht im Einzelfall möglicherweise gar überhöhte Inkasso-Gebühren nach sich, denen die rechtliche Grundlage fehlen kann.

Für Schuldner bedeutet es häufig, unter Druck doppelt zahlen zu müssen: An Inkasso-Unternehmen und an den Gläubiger. Die psychische Belastung für Schuldner ist enorm hoch. Dies kann den Druck auf Ärzte und Krankenkassen, bei denen sich Kosten zur Behandlung psychosomatischer Erkrankungen bemerkbar machen, erhöhen. Wo stattdessen eine Beratungsstelle für betroffene Menschen zur Verfügung steht, in der ein Berater zuhört und in der Sache weiterhilft, ist über das Gespräch hinaus nicht nur Linderung der Not, sondern auch wieder mehr Hoffnung in Sicht.“